Donnerstag, 20. April 2017

Gib dieser Stadt eine Chance


Mitteschön zum neuen Bad und zum ILB Neubau


Gibt es denn in dieser Stadt keine Chance, einen angemessenen Architektur-Entwurf zu entwickeln, der mal nicht aus einer weißen kahlen Kiste besteht? Einen, der Potsdamer Architektursprache bedient? Einen Neubau, der sich behutsam in das städtebauliche Ensemble einfügt?
Überall stehen weiße Klötzer im Stil vorstädtischer Industriegebiete herum.
Wenn man keine zusätzlichen Informationen zu dem neuen Bad am Brauhausberg bekommen würde, würde man rätseln, was das ist ….Lagerhalle? Kaufhalle? Megacenter?
Der Bau als solcher spricht nicht zu uns, er ist einzig allein der Funktion untergeordnet.

Eine neue Schwimmhalle am Potsdamer Brauhausberg sollte bei aller Funktionalität ihre einmalige und typische Form doch wohl aus der naheliegenden Assoziation mit dem Element Wasser oder zumindest durch die Hanglage mit der umgebenden Natur erhalten. Der Niemeyer-Entwurf ließ eine diesbezügliche Ahnung zu und erhielt nicht umsonst spontan so viel erste Zustimmung. Selbst die DDR-Schwimmhalle bot mit ihrem geschwungenen Dach und den ehemaligen Kaskaden am Hang einen emotional ansprechenden Zugang im Gesamteindruck.
Wozu nun die Härte und Kälte eines solchen Blocks?
Eine einladende Gliederung und warme Farbigkeit wäre doch wohl der mindeste Anspruch bei einem Entwurf für ein öffentliches Gebäude in einem so wichtigen städtischen Naturraum, welches allen Generationen zur Erholung dienen und den Gästen der Stadt bei ihrer Ankunft am Bahnhofsblock einen angenehmen ersten Eindruck von unserer Landeshauptstadt vermitteln soll.

Solche Entwürfe gab es auch! Warum wird so etwas nicht favorisiert?
Übrigens, die Architekten sind nicht immer Schuld an solch einer seelenlosen Bauweise, sie tun das, was der Bauherr anweist. Wenn die Stadt der öffentliche Bauherr ist, liegt hier die primäre Verantwortung. Und selbst private Bauherren sollten in einem öffentlichen  Stadtraum gewissen Regeln folgen und sich entsprechen unterordnen, vor allem in einer Stadt, die einst als „Gesamtkunstwerk“ konzipiert wurde.
Man kann nicht in einem Atemzug die „schöne Stadt Potsdam“ in den höchsten Tönen preisen und gleichzeitig im aktuellen Bauen das Gegenteil praktizieren. Eine gute Funktionalität im Inneren und eine solide Finanzierbarkeit stehen außer Frage, aber die öden Ergebnisse wie das Bahnhofcenter, die grauen kasernenhaften Blöcke in der Breiten Straße oder das neue Rehabilitationszentrum in der Gutenbergstraße in seiner kalten Pracht (mit der emotionalen Ausstrahlung einer Pathologie),sprechen in ihrer trübseligen Wirkung ihre eigene emotionale Sprache . Dieser allgemeine Zustand ist wenig begründbar mit Kosten, sondern mit dem Mangel am Wollen und an Ideen.
Zum guten Lebensgefühl der Menschen einer jeden Generation zählen eben auch ein gewisses Maß an zeitloser Schönheit und Proportionen nach menschlichem Maß,

Wir haben noch keinen gehört, dem diese Architektur gefällt! Ihnen?

Die ILB ist die nächste Bausünde!

Im Zusammenklang mit dem Bahnhofscenter, dem neu errichteten Hotel und der Semmelhackstadt hinter dem Bahnhof hat der neu errichteter Bau wohl seine Berechtigung, monumental erhebt er sich jetzt an der Neuen Fahrt aber, das ist nicht mehr Potsdam!
Das ist beliebige Architektur, die in vielen europäischen Städten in ähnlicher Form zu finden ist.



Der Architekt erklärte Mitteschön damals seinen Siegerentwurf.
Zitat: “Diese drei Pavillons (ja, er sprach tatsächlich von Pavillons!)fügen sich nahtlos in die Landschaft ein! Sie zerfließen mit den Havelauen. “
Bei der Bauvolumenmasse ist nichts mehr von „zerfließen“ zu bemerken!
Wir hatten damals schon Bauchschmerzen, aber das Resultat übertrifft alle unsere Befürchtungen.
Es stehen jetzt da drei riesige Würfel mit den bekannten Schießscharten Muster, bei denen man Augenflimmern bekommt. Durch die Gleichförmigkeit der Fenster erscheint das Gebäude als ein einzig großer Monolith. Nichts mehr mit 3 Pavillons!
Man nimmt sie gar nicht mehr wahr!

Ja, die ILB Führung wollte alles richtig machen und verließ sich auf große anerkannte Architektur Büros.
Aber alle Entwürfe die man der Öffentlichkeit im Bahnhofscenter vorstellte, waren nach unserem Verständnis nicht machbar.
Keiner der Büros hatte das „Händchen“ für Potsdam.
Alle verkauften ihre Entwürfe, die vorprogrammiert aus ihrem Software Baukasten stammten -  so unser Gefühl.
Wo bleiben unsere Potsdamer Architekten, die die Stadt als Gesamtkomposition begreifen?
Schade, wieder eine Chance vertan!

Dienstag, 24. Januar 2017

Phantastische Ausstellung mit Weltniveau

 

Museum Barberini ein Meilenstein in der Entwicklung der Potsdamer Mitte

Wer kontrolliert die Einhaltung des Leitbautenkonzeptes ?!


Die Stadt Potsdam hat für die SVV-Versammlung am 7.12.2016 den Beschlussantrag Potsdamer Mitte, Anpassung der DS 16/SVV/0269 zur Konkretisierung des Leitbautenkonzepts für die Blöcke III und IV mit wesentlichen Änderungsvorschlägen der Verfahrensgrundsätze gestellt.

Nachdem aus rund 30 historischen Parzellen auf dem Areal der FH in einer ersten Überarbeitung 2015 schon 18 Baufelder geworden waren droht nun die Gefahr, durch weitere Zusammenlegung von Baufeldern und die Möglichkeit bis zu drei Baufelder zugleich zu erwerben, das Konzept einer kleinteiligen, parzellierten und nutzungsgemischten Innenstadt nicht mehr eingehalten zu werden. Das Ziel eine maximale Anzahl von Geschoßwohnungen zu errichten kann dazu führen, dass die Einzelparzellen entweder immer weniger architektonisch ablesbar werden oder – wie zurecht bei Wiederaufbauprojekten andernorts kritisiert – die Einzelfassaden neuen Großwohnanlagen nur vorgeblendet werden. Das ursprüngliche Ziel der Potsdamer Mitte, wie es die SVV mit dem Leitbautenkonzept beschlossen hat, ginge damit verloren.

 Zudem können die im Leitbautenkonzept festgeschriebenen historischen Zitate über die Leitfassaden hinaus nurmehr „zeitgenössisch interpretiert“ werden. Wie das aussieht, können wir beim Ensiedler als Sparkasse oder der Alten Post als Volksbank sehen – Bezüge zu den Originalen sind kaum noch erkennbar. Die Leitfassaden leiten nichts mehr an, sondern verkommen zu Einzelstücken, Kuriositäten in einer Menge zeitgenössicher Architektur. Mit dem ursprünglichen Leitbautenkonzept würde dies nichts mehr zu tun haben, auch weil es mit dem Museum Barberini nur noch einen Leitbau gibt. An den Zielen des Leitbautenkonzeptes muss sich aber jeder Bieter halten!

Die neue veränderte Beschlussvorlage versucht der politische Gemengelage, die in unserer Stadt herrscht, gerecht zu werden. Auch wir begrüßen das Bestreben um Wohnungen, die sich auch ein Normalbürger leisten kann. Nun sind Veränderungen getroffen worden, die unterm Strich das Gleiche erreichen sollen wie vordem, die aber gleichwohl viel bewirken können. Zum Guten wie zum Schlechten.

Die Frage ist, wie kann man solch ein Verfahren kontrollieren?

Die gute Absicht ist klar: Beibehaltung der Kleinteiligkeit! Die Grundstückspässe werden nur für die Bautiefe verändert, um mehr Wohnraum zu schaffen. Verdichtung in den Innenhöfen, angestrebte straßenseitige Vielfalt durch unterschiedliche Architektenbüros. Es wird aber jetzt, und das ist neu, in größerer Grundstücksmenge an einen Investor vergeben. Ansonsten will man das Leitbautenkonzept – Zitat – zwingend einhalten ohne Einschränkungen!!!Wir hoffen das sehr und zählen darauf!

Nun wissen wir aber, wie weit Vorgaben in letzter Zeit durchgesetzt worden sind. Wir sind nicht blauäugig. Auch die Genossenschaften müssen wirtschaftlich arbeiten und sind natürlich bestrebt kostengünstig zu bauen, was zu kostenminimierenden Maßnahmen führt. Kleinteiligkeit ist teurer, als in größeren Einheiten zu bauen.

Daher weisen wir noch einmal daraufhin, dass das Verfahren mit den Leitlinien aus dem Leitbautenkonzept und den Gebäudepässen keine rechtsverbindlichen Vorgaben für die zukünftigen Bauherren sind, wie das bei einer von Mitteschön geforderten Gestaltungssatzung für die Potsdamer Innenstadt der Fall sein würde.

Es hängt jetzt von vielen einzelnen Faktoren ab, ob dieses Leitbautenkonzept gelingt.

Wir fordern, dass die weitere Innenstadtentwicklung mit größtmöglicher Transparenz geführt wird und erwarten, dass die Potsdamer Wohnbaugenossenschaften sich ihrer Verantwortung für eine qualitätsvolle und vielfältige Architektur beim Wiederaufbau der Potsdamer Mitte bewusst sind. Bei allen Bemühungen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, müssen die gestalterischen Vorgaben des Leitbautenkonzeptes und die Kleinteiligkeit eingehalten werden.