Dienstag, 6. Januar 2015

Abschied vom Brauhausberg

Die Würfel sind gefallen –

 


und solche werden von nun an auch den künftigen Eindruck des Geländes prägen. Den größten Block wird das neue Bad bilden. Dieses künftig zu erlebende Erscheinungsbild unseres Brauhausberges ist das Ergebnis eines Architekturwettbewerbes aus 16 Entwürfen, von denen 13 mehr oder weniger für eine Architektur des Bades  eine individuelle gestalterische Idee aufgenommen haben, sei es „die Welle“ oder „die Hanglage“ oder sogar beides. Interessant waren einige Ideen zur  Lichtführung und zur Dachlandschaft zu bewerten. Sie hätten unserer Stadt endlich eine wirkliche Modernität mit ästhetischer Qualität  an dieser Stelle bescheren können. Auch ein ursprünglicher Niemeyer-Entwurf fand einst nicht umsonst solch weitgehend großen Zuspruch, da sich dessen gerundete Architekturformen der Natur unseres städtischen Berges harmonisch anpassten. Aus Kosten- und anderen Gründen ließ sich das Projekt nicht realisieren, aber deutlich für alle wurde eine ästhetische und sehr menschlich angenehme Absicht.

Die drei anderen Entwürfe beschränkten sich nun, wie gehabt, auf die einfache Kastenform, von denen dann natürlich die größte den Zuschlag bekam. Um Gestaltungswillen ging es hier bei diesem „selbstbewussten“ und reinen Ingenieurbau wohl eher nicht.

Nun also dieser große weiße Block. Manche sprechen von „Skulptur“, ein altes Klischee in der Argumentation zu isolierten Solitären in einem Stadtraum. „Brüche“ sind in! Und ohne kaltes „weiß“ geht sowieso nix, sonst wäre es nicht „modern“. Die Bürgerinitiative Mitteschön hat den Entwurf daher auch sogleich als zu voluminös und klobig kritisiert. Selbstverständlich waren für die Entscheidung vordergründig Kostengründe ausschlaggebend, doch es gäbe bei allem Sparzwang sicherlich interessantere Möglichkeiten der Gestaltung.

Um nun diesen Entwurf im Schaubild den Menschen schmackhaft zu machen, hatte man groß in die Illusionskiste der Werbung gegriffen: Mystisches Licht umspielt an einem lauen Sommersonnenuntergangsabend den bei diesem Licht fast unscheinbaren(!) Block. Entspannte Leute flanieren mit Kinderwagen über das Areal, wo sich tatsächlich der Verkehrsstrom am Leipziger Dreieck ergießt und sich nur unweit von hier der Gedenkstein zum Verkehrstod der vielen Brandenburger Kinder befindet. Sehr romantisch! Es fehlten nur noch der Vollmond und tanzende Elfen über dem „Gewässer“.

Diese Art der Darstellung ist schlichtweg verlogen und dies wohl beabsichtigt und kein Zufall.

In der Zeitung stand jüngst zu einem Interview der Satz: „Glauben Sie, dass der Quader …ans Herz wächst? „…das wird das Leben zeigen… Und es gibt schon architektonische Feinheiten, die sich erst zeigen, wenn das Bauwerk vollendet ist.“ - Architektonische Feinheiten also! Was könnte das sein? Designer-Türklinken oder was? Allein hier klingt schon deutlich Unbehagen und der Strohhalm der Hoffnung durch. Und weiter: „Mit der geplanten Wohnbebauung … wird es ein harmonisches Ensemble werden.“ Wirklich?

Da ist es wieder: das Potsdamer Un-Wort: harmonisch! Womit könnte so ein Block wohl harmonisieren, doch nur mit dem Bahnhofcenter gegenüber, wo es damals zur Erbauung in der Presse hieß: „man könne schön parken und schön einkaufen, deshalb sei das Bauwerk schön. Sicher wird man im neuen Bad „schön schwimmen und andere schöne Dinge tun können, keine Frage, doch ist die eigentliche Architektur wirklich schön?



Schon bei der Baumassen-Simulation für den gesamten Brauhausberg stockte einigen Abgeordneten doch der Atem. Der Altmeister der Gartenkunst Lenné war überall in der Lage aus 1½ m Bodenerhebung und etwas natürlich geschwungener Wegeführung ein relativ kleines Areal optisch aufzuwerten und dem Ganzen über einen möglichen Zielpunkt (Sichtachse), eine großzügige lebendige Wirkung zu verleihen. Bei der geplanten Verdichtung des Berges mit mehrgeschossigen und abgestuften Wohnblöcken wird die 20-30 m Hanglage zwangsläufig optisch ignoriert. Es entsteht eine untere Verkehrsebene und eine obere Ebene für die Dachlandschaft - Dach- Landschaft? Man kann gespannt sein, wie sich die Architektursprache dieser Situation stellen wird. Hier liegt noch eine große Verantwortung der Architekten. Sollten es nur wieder weiße Blöcke im 3./4. Bauhaus-Aufguss werden, zudem auf gleicher Höhe mit der Speicherstadt, so lässt sich befürchten, wird der Berg den Charakter einer Halskrause wie nach einem tragischen Unfall erhalten. Der Naturraum dazwischen muss es dann retten, doch fast ein halbes Jahr lang sind die Bäume und Sträucher kahl, wie man weiß! Über allem thront putzig der Zipfel des Turmes der ehemaligen Reichskriegsschule. Man wird sich dran gewöhnen müssen.

Zum Minsk.


Es war einst eine elegante und moderne Anlage und nicht umsonst sehr beliebt. Mehrere Terrassen führten durch Blumen und Wasserkaskaden hinauf zum Restaurant, dort mit einem weiten Blick über das Panorama der Stadt. Es ist illusorisch zu glauben, man könnte durch den Erhalt nur dieses Gebäudes jetzt die Erinnerung an dieses Erlebnis bewahren. 90% der Gesamt-Anlage wurden bereits abgetragen. Dem Minsk wird seine ursprüngliche originelle Variante der sozialistischen Moderne künftig so nicht mehr anzusehen sein. Es wird, eingerahmt von neuen Wohnblöcken, sehr bescheiden sein neues Dasein fristen müssen. Der Blick auf die Stadt ist von hier aus weitgehend versperrt.

Der eigentliche historische Panoramablick/ der „Drei-Kirchen-Blick“, zu Stadtschloss und Lustgarten, ergibt sich oberhalb des Weges am Fuße des ehemaligen Landtages. Was wird es hier künftig zu sehen geben? Flachdächer in großer Zahl, technische Aufbauten und einige „Sichtfugen“ zur Stadt?.

Wir werden es erleben … O.T.



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